Sebastian, bitte lass es sein!

3 Kommentare

Nachtwandler, Fitzek

„Der Nachtwandler“ von Sebastian Fitzek

Kennt Ihr eigentlich Sebastian Fitzek? Meiner Meinung nach einer der besten deutschen Thriller-Autoren der Gegenwart. Gestern las ich seinen Roman „der Nachtwandler“ zuende, welcher kürzlich als Taschenbuch-version veröffentich wurde. Und bin – wie meistens – von seinem Werk ziemlich angetan. Die Geschichte eines Schlafwandlers – der befürchtet im Schlaf unwissentlich gewalttätig zu werden – ist ein Burner, den ich vor lauter Spannung – weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht – gar nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Gelegentlich, wenn ich ein Buch lese, denke ich bei mir „Das müsste man eigentlich verfilmen, das käme auf der Leinwand bestimmt noch besser„. So auch bei der Lektüre des Nachtwandlers. Als Herr Fitzek allerdings genau dies im Nachwort seines Romans ankündigte, löste die Aussicht darauf bei mir keinerlei Freude – sondern vielmehr eine Mischung aus Grauen und Bedauern aus. Herr Fitzek plant nämlich, den „Nachtwandler“ vom selben Produzenten und derselben Produktionsfirma realisieren zu lassen, die auch schon die Verfilmung seines Romans „das Kind“ umgesetzt haben.

Eben diese Verfilmung habe ich mir kürzlich angeschaut. Ich würde mal behaupten: Es war der schlechteste Film, den ich seit Monaten gesehen habe – unglaublich langweiliger Trash. Würde in Deutschland so etwas wie die „goldene Himbeere“ verliehen, wäre die Verfilmung von „das Kind“ m.E. Topkandidat. Man hat es geschafft, eine eigentlich spannende und originelle Geschichte extrem lieblos und unspannend zu inszenieren. Allein schon die Wahl der Darsteller ist völlig verfehlt. Der us-amerikanische Schauspieler Eric Roberts (Bruder von Julia) einigermaßen bekannt aus internationalen B-Produktionen, durfte die Hauptrolle spielen. Das tat er auf eine gelangweilte, arrogante Art, die mich in keinster Weise berührte. Weder löst er Sympathien aus, noch kann er als Antiheld (falls das so gewollt sein sollte) auch nur einen Hauch von Faszination erzeugen. Herr Roberts spielte zuvor in einigen Filmen recht überzeugend den schmierigen Bösewicht, aber er taugt m.E. nicht wirklich als „Held“ und Sympathieträger.

Der Rest des Casts machte seine Sache nicht viel besser; wirkt wie ein Trupp Laienschauspieler, die emotionslos ihren Text runterleiern. Noch nicht einmal der kleine Junge, der das namensgebende Kind spielte, schaffte es mithilfe des „Niedlichkeitsfaktors“ den Film zu retten. Schlimm auch die Synchronisation (der Film wurde merkwürdigerweise in Englisch gedreht, ich sah ihn allerdings auf Deutsch). Die Dialoge der Personen wirken unnatürlich aufgesetzt und klischeehaft, beinahe karikaturistisch. Würde es sich um eine Komödie oder Thriller-Parodie handeln, hätte letzteres ein witziges Stilmittel sein können, ich fürchte jedoch – der Film nimmt sich durchaus ernst.

Ich schaue mir Filme meist zuende an, bei diesem gab ich allerdings nach etwas mehr als der halben Spielzeit auf. Andernfalls wäre ich vermutlich dabei eingeschlafen. Es mag sein, dass er in der Lage ist, Zuschauer, die das Buch nicht gelesen haben – und von daher nicht vergleichen können – einigermaßen gut zu unterhalten. Das kann ich nicht beurteilen, denn ich kannte das Buch natürlich. Ich (mit einer zugegebenermaßen gewissen Erwartungshaltung) empfand ihn jedoch als Trauerspiel. Jawohl, es macht mich regelrecht traurig, wenn eine ursprünglich gute Story so vermurkst wird; selbst „SAT1- Eigenproduktionen“ mit nach 2 Minuten vorhersehbarem Ende sind im Vergleich dazu unterhaltsamer. Und zwar um einiges. Unfassbar, wieviel Potential da verschenkt wurde!

Und jetzt soll dasselbe mit „der Nachtwandler“ passieren. Denn Herr Fitzek scheint im Gegensatz zu mir – und mindestens der Hälfte der Rezensenten bei Amazon und Moviepilot – mit der filmischen Umsetzung von „das Kind“ sehr zufrieden zu sein. Ich habe ja nichts dagegen, dass dieser Roman verfilmt wird – ganz im Gegenteil: Er könnte ein sehr gutes Material für einen Film abgeben. Würde aber dringend dazu raten, diesesmal ein völlig anderes Produktionsteam ranzulassen. Und bitte einen Hauptdarsteller auszuwählen, mit dem der Zuschauer mitfiebern kann und der einen nicht völlig kalt lässt. Wie hieß es damals so schön in der Werbung fürs Branchenbuch „Vielleicht sollte er einfach mal jemanden fragen, der sich damit auskennt.„.

Weiterführende Links:
» „Der Nachtwandler“, Roman (amazon.de)
» „Das Kind“, Rezensionen auf moviepilot.de
» „Das Kind“ in der Internet-Movie-Database
» Offizielle Homepage des Autors Sebastian Fitzek

Das heutige Musikvideo ist kein Trash (obwohl der Song so heißt):
„Trash“ von Suede (1996)

3 Gedanken zu „Sebastian, bitte lass es sein!

  1. ich liebe ihn!!!!!

    ich habe alle bücher^^ und lese grade auch der nachtwandler. Also das kind habe ich noch nicht gesehen…aber ich finde es auch sehr schwer so ein heikles thema zu verfilmen..mhh ich muss ihn mir mal anschauen!

    lg tina

    • Hi Tina, das Buch ist toll (finde ich). Aber was den Film angeht: beschwer Dich hinterher nicht bei mir. Ich hab Euch gewarnt!😉 Lg, Annemarie

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