Maison Martin Margiela for H&M

11 Kommentare

oder bekommt der Kaiser mal wieder neue Kleider?

Maison Martin Margiela H&M Schaufenster

Morgen ab 8 Uhr (bzw. 10 online) geht die allgemein lang ersehnte nächste Designer-Kolloboration von H&M in den offiziellen Verkauf und der Run um die begehrten Stücke beginnt. Ich hätte schon längst meinen Senf dazu abgegeben, wenn nur das doofe Problem mit den Bildrechten nicht wäre… 😦 Heute auf dem Rückweg von der Arbeit nachhause konnte ich aber zumindest das bereits dekorierte Schaufenster fotografieren. Und finde ebendieses – ehrlich gesagt – ein bisschen lieblos gestaltet. Da wäre mehr drin gewesen. Aber vielleicht wollte man die Passanten auch nur nicht mit besonders ausgefallenen Stücken verschrecken 🙂

Apropos – was mich überrascht, war die äußerst positive Resonanz, auf die die Ankündigung dieser Designerkollektion in den letzten Wochen im Web stieß. Vielleicht lag es an der eher enttäuschenden Vorgängeraktion der „Anna della Russo“-Kollektion, deren Restbestände unser H&M auf der Kö aktuell für den halben Preis zu verkaufen versucht. Im Vergleich dazu kann alles andere nur besser sein. Und stilistisch bietet Margiela dazu natürlich einen enormen Kontrast.

Nichtsdestotrotz erstaunt mich die Begeisterung der Stimmen im Web, die Kommentare der Leserinnen auf den großen Modeblogs. Es erstaunt mich deshalb, weil selbst ich die Entwürfe – zumindest größtenteils – als ausgesprochen experimentell bezeichnen würde. Und ich halte mich normalerweise für jemanden, der für modische Experimente durchaus aufgeschlossen ist – und deshalb verwunderte Blicke der Umgebung mehr oder weniger gewohnt ist.

Manche Teile der Kollektion scheinen doch mehr Kunst als Mode zu sein. Ein Kleid mit einem zusätzlich „Ersatzärmel“ (Foto bei Jolie.de) löst bei mir zum Beispiel Assoziationen aus, die in Richtung „Mutanten“ gehen (wobei ich vielleicht auch durch diverse „Horror“/“SF“-Romane versaut bin, kann schon sein). So etwas würde selbst ich nicht kaufen. Und wenn man es mir schenken würde, würde ich es zum Schneider bringen, um den überflüssigen „Fortsatz“ entfernen zu lassen. Ein anderes Beispiel sind die vielen Kleidungsstücke in extremer Oversize (Foto bei Jolie.de): Wenn ich mich so umschaue in unserer schönen Stadt, sehe ich kaum Mädels in „gemäßigter“ Oversize (bezogen auf die Kleidung), geschweige denn in solcher extremen Form. Und jetzt sind dieselben Mädels plötzlich alle „ganz wild“ auf Margiela? Merkwürdig. Oversize-Mode hätten sie übrigens auch bei Ulla Poppken oder in der Herrenabteilung haben können, und zwar günstiger und vermutlich auch noch in besserer Qualität, da greift frau dann halt einfach mal zu XXL.

Aber da ist ja kein Schildchen drin, auf dem „Maison Martin Margiela“ steht. Ich kann mir nicht helfen, irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass es sich hierbei mal wieder um eine „des Kaisers neue Kleider“-Situation handelt. Wäre zum Beispiel – sagen wir mal vor einem Jahr – eine Frau mit einem solchen Outfit durch die Stadt gelaufen, hätten dieselben Mädels, die sich morgen früh um 6 auf den Weg zu H&M machen werden, die Nase gerümpft und sie als „freakig“ bezeichnet (und das nicht unbedingt im positiven Sinn). Ich selbst habe vor einem Jahr noch nicht einmal gewusst, wer Martin Margiela ist, wobei ich jetzt einfach mal davon ausgehe, dass das bei den meisten, die sich nicht exzessiv mit Highclass-Mode beschäftigen oder/und beruflich damit zu tun haben, genauso sein wird. Liege ich etwas falsch mit meiner Annahme?

Zum Teil finde ich die Sachen noch nicht einmal besonders schön. Originell, das sind sie zweifellos, aber das heißt nicht zwingend = schön. Ein gutes Beispiel sind diese Clutches, die Bonbontütchen nachempfunden sind (Foto bei Jolie.de). Meiner Meinung nach sehen die einfach nur billig aus und unpraktisch sind sie obendrein (aber das sind Clutches immer). Ein paar Ausnahmestücke gibt es natürlich auch, zum Beispiel einen schwarzen Blazer mit Schulterbetonung (Foto bei Jolie.de) – der ist schon recht schick – aber so etwas in der Art besitze ich glücklicherweise bereits. Dafür muss ich also nicht Schlangestehen. Einige Teile wiederum sind ganz ok – aber die überzogenen Preise (zumindest meiner Meinung nach) nicht wert – und den Stress erst recht nicht (Foto bei Jolie.de).

Jedenfalls bin ich äußerst gespannt, ob wir in den nächsten Wochen wohl viele Passantinnen in dem einen oder anderen avangardistem Kleidungsstück sichten werden. Nachdem was man so liest, müsste das ja eigentlich der Fall sein.

Meinereiner wird selbstredend morgen früh keineswegs um 5 Uhr aufstehen, um sich um 6 in die Schlange zu stellen, damit ich nach mindestens zwei Stunden bibbern bei H&M ein paar Minuten lang shoppen darf. Aber allen, die das Abenteuer wagen wollen, wünsche ich nichtsdestotrotz Weidmannsheil!

Das heutige Musik-Video:
„John Wayne is big leggy“ von Haysi Fantayzee (1982)

11 Gedanken zu „Maison Martin Margiela for H&M

  1. *lol* Mir geht’s genauso. Das Kleid mit dem Zusatz-Ärmel ist echt gruselig. Ich denke da auch sofort an einen nuklearen Unfall =)))

    LG, Mel

  2. Pingback: Maison Martin Margiela for H&M

  3. Pingback: Margiela for H&M: Letztendlich doch noch Fotos | Meine Kleider

  4. Das erinnert mich stark an die 80er mit den hässlichen dicken Schulterpolstern, asymetrischen Schnitten usw. Nicht mein Ding. Ich hab das Nähen angefangen und hoffe, irgendwann einmal zumindest einen Teil meiner Klamotten selbst zu nähen, damit ich mir das nicht antun muss.
    LG Sabine

    • Hi Sabine, „nähen“ – da sagst Du was: Ich sollte mich endlich mal an die kleine Nähmaschine setzen, die ich kürzlich bei Netto erstanden habe. Ist zwar nur ein kleines Billigmodell, aber ich dachte: für den Anfang… (wenn es ein Erfolg wird kaufe ich eine bessere). Ich sollte mich nur echt mal aufraffen. Denn Selbermachen, DAS ist wirklich originell. Und dann hast Du etwas, was sonst keiner hat! Lg, Annemarie

  5. hallo annemarie,
    originell bist du sowieso, auch wenn du morgen lieber länger schläfst!

    kannst du dir vorstellen, wie ich mit 1,62 im überlangen pulli mit bodenlangen oversize hosen aussehen würde! zum wegsehen!

    ich kann den hype auf marken und namen ohnehin nicht so ganz verstehen. entweder gefällt’s mir, dann ist es mir egal von wem es ist, oder ich mags nicht, dann kann drauf oder drinstehen wer will. klar freu ich mich, wenn ich mal was schönes second hand finde, einen wintermantel jdy halte ich in ehren, aber vor allem weil er gut geschnitten ist und elegant aussieht.

    ich hab mal die bilder durchgeblättert, nur die helle lederjacke gefällt mir und die ist mit 200 eur gar nicht mal so teuer. beim mustermix-wickelkleid gefällt mir natürlich der stoff, den schnitt find ich für mich nicht tragbar, viel zu tief ausgeschnitten, dann lieber eine tagesdecke in dem muster (ich hab den kommentar dazu gelesen :-)).

    gespannt bin ich auch, ob in unserer modisch eher konservativen stadt, diese teile getragen werden. wobei sie von den farben ja gar nicht so ins auge stechen. ich finde es ziemlich schade, dass zur zeit so viele schwarz-braun-grau für angesagt halten. für’s auge ziemlich langweilig. außer wenn es mit einem pfiffigen schnitt kombiniert ist.

    ein klasse post annemarie!
    hab noch einen schönen abend! lieben gruß von sabine
    (ach und schau noch mal in deinen text – 5. abschnitt, 3.zeile)

    • Ahhhhhhhh, jau Du hast recht! Danke Dir, den hab ich doch glatt übersehen!
      Bei uns ist es übrigens nicht anders, was die Farben betrifft, ist mir neulich aufgefallen, als ich vor unserem Firmengebäude stand, da war ich in meinem hellbraunen Outfit (was ja nun auch nicht soooo bunt ist) quasi der Farbklecks zwischen den ganzen schwarz/grau gekleideten Kollegen und Passanten. Ich halte die meisten Menschen hier in der Stadt übrigens auch nicht für ausgesprochen modisch innovativ. OK, natürlich es gibts hier in Düsseldorf schon wesentlich mehr modisch Versierte/Trendsetter als in der Kleinstadt, aus der ich stamme. Aber trotzdem. Die Masse ähnelt sich im Stil doch sehr. Lg, Annemarie

  6. Ich fand jetzt das was ich gesehen habe nicht wirklich schlecht. Allerdings ist mir 42 einfach 1-2 Nrn. zu klein. Allerdings habe ich mich damit nicht weiter befasst.
    Außerdem könnte/wollte ich die Sachen nicht zur Arbeit tragen. Und das ist mittlerweile der Hauptgrund, warum ich das Haus verlasse.
    Sei lieb gegrüßt
    Sunny

    • Hi Sunny, ja, das geht mir genauso. Früher habe ich hauptsächlich Kleidung in Hinblick auf das Nightlife gekauft – und hatte kaum schlichte(re) Teile fürs Büro. Heute ist es eher umgekehrt. Ich finde die Sachen von MMM auch nicht grundsätzlich alle schlecht, wundere mich aber über die enorme positive Resonanz im Web – hätte ich so nicht erwartet. Lg, Annemarie

  7. oh Gott, was man alles für die Mode macht. Würde mir im Traum nicht einfallen mich morgens um 6 Uhr vor H&M zu stellen. Ich habe die Werbung im Fernsehen gesehen und auch schon manche solcher Photos in Zeitschriften. Kann ich nichts mit anfangen. Ich muss nicht sexy angezogen sein, aber ich möchte schon meine Figur erahnen können und nicht unter einem Zelt verstecken. Und auch das mit Zahlen, ist mir zu hoch, solche Werbung macht mich nervös oder ich werde alt ( das sowieseo). Also ich möchte sehen können, ob der Mann einen Knackarsch hat oder nicht. Wenn diese Mode Mode wird und auch Männer sowat tragen, das wird öde….

    LG Andrea

    • Hi Andrea, 🙂 Die Stücke für die Herren aus der MMM-Kollektion sind – wie ich finde – etwas gemäßigter. Allerdings gibt es z.B. Schuhe, die aussehen, als seien sie schmutzig. Ich persönlich finde ja, dass man(n) für diesen Effekt – wenn man ihn denn möchte – nicht soviele Euronen ausgeben muss, das kann man auch ganz einfach DIY hinkriegen (einmal mit den weißen Schuhen durch den Garten, nachdem es geregnet hat z.B.) 🙂 Lg, Annemarie

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