Projekt Downgrading Teil 3:

13 Kommentare

Der Satinblazer

Die schwarze Blazerjacke, bestehend aus der deutschen Promidame liebstem „Red-Carpet“-Stöffchen – Sateng! – ist mein „Downgrading“-Kandidat Nummer 3. Ursprünglich gehörte die Jacke zu einem zweiteiligen, eleganten Abendanzug. Es gab also eine passende Hose (aus demselben dünnen Satin-Material), zu der ich aber das Vertrauen verloren habe. Deshalb wurde sie schon vor längerer Zeit entsorgt. Der dazugehörige Blazer dagegen hat überlebt und fristet seither mehr oder weniger ein Schattendasein in meinem Kleiderschrank.

Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht, wie frau zu einem Kleidungsstück „das Vertrauen verlieren“ kann? Nun – dazu gibt es eine kleine Anekdote. Eine Begebenheit, die definitiv unter die Top-5 der peinlichsten Momente meines Lebens gehört.

Etwa seit Anfang meines dritten Lebensjahrzehnts schwankt meine Kleidergröße immer mal wieder lustig zwischen 38 und 42 hin und her. D.h. „schlanke Jahre“ in denen ich 38 trug (und mit der 36 kokettierte) wechselten sich ab mit – sagen wir mal politisch korrekt – „weniger schlanken Jahren“, in denen ich froh sein konnte, in eine 42 zu passen. Als mich vor einigen Jahren ein Kunde, der für Viva! arbeitete, zur Popcom-Musikmesse nach Köln einlud, wo er einen Stand aufgebaut hatte, befand ich mich gerade mal wieder in einer für meine Verhältnisse „üppigen“ Phase.

Die schwarze Satinjacke

Die schwarze Satinjacke (Marke: „She“)

Nicht, dass mich das an besagtem Tag großartig belastet hätte – ich machte mir keinen „Kopf“, kleidete mich in meinen schwarzen Satin-Anzug (die Hose saß ein bisschen eng, na und!), ein cooles Bandshirt dazu und ab ging’s nach Köln. Und ja, dort auf der Messe ist genau das passiert, was Ihr jetzt vermutlich erwartet. Es war recht warm dort – ein heißer Sommertag, ich zog die Jacke aus, trug sie über dem Arm und schlenderte zwischen den Ständen entlang. Als mich nach einer Weile ein Mädel mit kurzen blonden Haaren ansprach (Manno, es ist Jahre her, aber ich sehe sie trotzdem beinahe vor mir!). Die junge Frau fragte, ob das mit meiner Hose eigentlich Absicht sei. Ich fragte verdutzt, was sie denn damit meine. Woraufhin sie mich auf einen Riss in meiner schönen schwarzen Satinhose hinwies. WTF??? Die Naht war genau zwischen meinen Pobacken eingerissen! Dabei handelte es sich keineswegs um einen kleinen, dezenten Riss, sondern er verlief gemeinerweise gnadenlos mitten durch – meine (ausgerechnet!) weiße Unterhose konnte jeder Messebesucher ausgiebigst bewundern. Nur ich hatte nichts davon bemerkt! Wer weiß, wie lange ich schon so herumgelaufen war! Am liebsten wäre ich vor Scham im Erdboden versunken!!! (merkwürdigerweise hat kaum jemand gelacht; vermutlich hielten sie mich für so eine Art „Lady-Ga-Ga“-Vorläufer, also eine Musikerin, der jedes Mittel recht ist um etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen).

Nichtsdestotrotz habe ich mir daraufhin schleunigst meine Jacke um die Hüfte geknotet und bin fix wieder zurück zum Stand meines Bekannten zurückgeeilt, wo mir dessen Freundin half, den Riss provisorisch zuzunähen. Obwohl mein Erscheinungsbild jetzt wieder einigermaßen hergestellt, war meine Laune doch dahin und ich bin kurz darauf nachhause gefahren. Die Hose brachte ich nach einiger Zeit zum Schneider, um sie professionell reparieren zu lassen. Jedoch – obwohl ich irgendwann wieder in 38 passte und sie durchaus erneut hätte tragen können – hatte ich das Vertrauen in das Kleidungsstück verloren und sie nach diesem Vorfall nie wieder getragen.

Satinjacke + Shorts

Satinjacke „She“, Shorts „H&M“, Gürtel: 2nd-Hand (Ebay)


Das was ihr hier seht, ist also die dazugehörige Jacke, welche ich heute mit blaugrünen Shorts und Stulpen kombinierte. Letztere sind schon ewig in meinem Besitz. Damals in den frühen 80ern, als Stulpen extremst angesagt waren (Stichwort: Aerobic!), habe ich meine Mum ziemlich lange ausgiebigst darum anbetteln müssen, denn sie war für solche „modischen Mätzchen“ zu jener Zeit noch wenig aufgeschlossen. Aber da ich – wie Ihr ja wisst – nur wenig fortwerfe (was „noch gut“ ist) trage ich sie immer noch, wenn auch selten. Zu den H&M-Shorts vom letzten Jahr passen sie farblich jedenfalls nahezu perfekt.

P.S.: Was ich aus der grotesken Situation auf der Musikmesse gelernt habe? Unter eine schwarze Hose gehört eine schwarze Unterhose. Immer!

Weitere „Downgrading“-Kandidaten:

Der heutige Musikklassiker kommt mal wieder aus meinen heißgeliebten 80ern:
… Talk Talk „Such a shame“ (1984)…

13 Gedanken zu „Projekt Downgrading Teil 3:

  1. Pingback: Projekt Downgrading Teil 5: | Meine Kleider

  2. Pingback: Projekt Downgrading Teil 4: | Meine Kleider

  3. du arme! ruhe dich aus, und bleib lieber einen oder zwei tage länger zu hause, wenn notwendig, das ist das einzige was hilft. ich wünsch dir, dass es dir bald wieder besser geht.
    um 18 Uhr werde ich noch nicht vom familienbesuch zurück sein. ich schau auf jeden fall bei dir rein, wenn ich zurück bin. kann aber auch erst um 20 uhr sein. bin schon gespannt!
    lieben gruß von sabine

  4. liebe annemarie!
    ich wünsch dir erst mal eine gute besserung, ganz bald! so fies wenn eine erkältung nochmal zulegt.
    das schränkt natürlich auch deine blogaktivitäten ein, ich nehme an das sonntägliche projekt wird verschoben.
    ich werde meinen post am sonntag abend einstellen und auf diesen post verlinken. wenn es dir besser geht und du deinen neuen post einstellst, kann ich das ja noch ändern.
    ruhe ist die beste medizin, eine binsenweisheit, aber zutreffend. gönn sie dir!
    lieben gruß von sabine

    • Liebe Sabine,

      ja, dieses Mal hat es mich ziemlich heftig erwischt und ich versuche viel zu schlafen bzw. zu ruhen, um Montag wieder fit zu sein. Da ich aber noch Fotos übrig hatte vom letzten Mal, schaffe ich es vermutlich morgen nachmittag diese online zu stellen. Fehlt ja nur noch der Text. Ich schau mal so ab ca. 18 Uhr bei Dir rein (es sei denn es geht mir bis dahin nicht besser), ok? Lg, Annemarie

  5. Hihi 🙂 Du hast mein nachträgliches vollstes Mitleid und ich kann mir Dein Gefühl vorstellen – ein bisschen schmunzeln habe ich aber auch müssen ;). Ich hoffe immer inständig, dass mir wenn irgendetwaas dieser Art passiert sein sollte auch was sagt – deswegen halte ich es auch genauso – sehe ich in Slips gesteckte Röcke (erst neulich bei einer Oma mit Rollator) oder Messemädels mit dem Größenaufkleber hinten am Bein (auch erst neulich erlebt) dann sage ich das den Personen – und ich habe noch nie erlebt, dass die betreffenden Damen nicht heilfroh waren, dass man sie auf das Missgeschick hinwies 🙂

    Von daher Daumen hoch für das blonde Mädel und Daumen hoch für Deinen Blazer so kombiniert wirkt das ganze superlässig – übrigens Stulpen habe ich auch noch in allen Formen und Farben 😉

    LG aus der edelfabrik
    Chrissie

    • Hi Chrissie, jetzt hat es mich letztendlich doch auch noch so richtig erwischt mit der Erkältung (das kürzlich war ja nur so was „halbherziges“)… Was das blonde Mädel betrifft, hast Du natürlich absolut recht. Ich finde es auch besser, wenn jemand einen auf so etwas anspricht, als wenn man den ganzen Tag so herumläuft und nichts davon ahnt. Lg, Annemarie

    • Och Mensch – ich kann Dir nachfühlen und hoffe, dass es Dir jetzt wieder besser geht – ich habe mich auch ein paar Tage komplett ausgeklinkt und jetzt geht es wieder so langsam – hoffentlich ist das bei Dir auch schnell wieder der Fall!!

      Von mir auch ganz liebe Grüße und ganz schnell gute Besserung!!!

      LG Chrissie

  6. oh weia, ich habe auch gelacht und das am frühen Morgen. Ich habe immer gedacht, solche Frauen wie Du, denen passiert sowas nicht. Mit“ solche Frauen“ meine ich : hübsch und moderne Großstädterin. Ich kann Dich verstehen, meine Laune wäre auch im Keller gewesen nach so einem Ereignis.Aber irgentwie habe ich auch gedacht, bin nicht die Einzige die sich immer voll reinreitet. Ich führe zum Beispiele mit Vorliebe die Preisschilder von neu gekauften Klamotten spazieren. ich kriege es einfach nicht gepeilt, sie vorher gewissenhaft zu entfernen. Mich muss man immer darauf aufmerksam machen. Was die Stulpen angeht, die habe ich damals auch geliebt und meine Eltern fanden das schrecklich, aber ich habe mich durchgesetzt. Ganz schick mit lila Stulpen und lila Stiefel, schauder…

    Liebe Grüße Andrea

    • Hi Andrea, ich glaube, ich weiß was Du meinst mit „solche Frauen“. Frauen, die immer perfekt, adrett und picobello aussehen und – wie sagt man so schön – jederzeit „wie aus dem Ei gepellt“ daherkommen. Ich frage mich immer, wie die das eigentlich schaffen, z.B. morgens perfekt frisiert zur Arbeit zu kommen, wenn es draußen z.B. regnet oder stürmt (und ich dagegen aussehe wie ein „zerrupftes Huhn“). Denn – jawohl! Die schaffen das! Wie auch immer sie das hinkriegen mögen. Von der Sorte gibt’s hier in der Stadt tatsächlich ziemlich viele. Und nein, ich gehöre definitiv nicht dazu – ich bin eher „Miss Ungeschickt“ (komme aber auch ursprünglich aus einer Kleinstadt, vielleicht deshalb?). Mein Haar sitzt nur dann wirklich gut, wenn ich definitiv NICHTS vorhabe (dann sitzt es aber dermaßen traumhaft, dass ich damit auf jeden roten Teppich könnte und jeder Profistylist neidisch wäre!) und Flecken ziehe ich magisch an. Mit viel Spaß erinnert sich bestimmt noch so mancher meiner Kollegen an jene Anekdote, die in unserer Kantine spielte und in der neben meiner weißen Hose Kirschtomanten eine Rolle spielten… Letzte Woche hat sich mein Maxirock in den Rädern des Bürostuhls verfangen, kein kleiner Riss, sondern der Rock war vollkommen hinüber (Adios Maxirock). Strumpfhosen muss ich zum Beispiel nur angucken – und es bilden sich Laufmaschen. Heute mittag gehe ich übrigens mit einer Kollegin essen, die immer sehr kritisch ist, was solche Details betrifft. Bestimmt wird sie mich heute wieder auf irgendetwas aufmerksam machen, z.B. dass irgendwo ein Faden oder Haar hängt, wo er/es nicht hingehört oder ein Fusel oder dass ich einen Pickel habe (den ich selbst noch nicht bemerkt habe) oder was weiss ich…irgendwas ist (bei mir) immer. Also nix von wegen „perfekt“. Lg, Annemarie

  7. ich hab gelacht, sorry! ich schäm mich auch dafür. schadenfreude wars nicht, aber die vorstellung hat mich amüsiert. dich im nachhinein offenbar auch.
    wahrscheinlich warst du auf einem event, wo die meisten so damit so beschäftigt waren, sich in szene zu setzen, dass so ein kleiner fauxpas gar nicht auffiel.
    mir passierte es auf der hannover messe, dass ich gleich dem ersten besucher am stand morgens, den weißen blusenärmel in den kaffee hielt – es waren die 80er und eine fledermausärmelbluse, die sich nicht hochkrempeln lies – der fleck ging nicht raus, zurück ins hotel ging auch nicht, das lag ne fahrstunde entfernt. also war ich den ganzen tag mit ner fleckingen weißen bluse unterwegs bis in die nacht, denn anschließend gings gleich noch zum essen. war peinlich aber ich hab draus gelernt.
    deshalb kann ich durchaus verstehen, dass frau das vertrauen verliert.
    dein outfit rockt! ich bin wieder mal fasziniert wie du kombinierst. jedes teil passt perfekt zum andern, vier farben, zwei stilrichtungen, klasse!
    schade, dass mir stulpen so gar nicht stehen – zu kurze beine, zu kräftige waden – sie sehen zu den schnürstiefelchen perfekt aus.
    so genug gequatscht heute. hab noch einen schönen abend! sabine

    • Hi Sabine, brauchst Dich nicht zu schämen. Im nachhinein gesehen find ich’s ja auch eher lustig. Und wenn man sich mal anschaut, wie manche Promis heutzutage mit voller Absicht rumlaufen, war meine öffentlich präsentierte weiße Unterhose ja gar nicht mal besonders schrill 😉
      Das mit der Bluse stelle ich mir auch unangenehm vor, vor allem weil es in Deinem Fall auch noch ein Business-Termin war, ich war ja damals gottseidank privat dort, auch wenn mich ein Kunde eingeladen hat. Glg und noch einen schönen Abend! Annemarie

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