Aufregung in der Bloggerszene

9 Kommentare

© winni - Fotolia.com

© winni – Fotolia.com

Möglicherweise ist Euch aufgefallen, dass ich aus ein paar meiner älteren Beiträge Bilder entfernt und zum Teil ersetzt habe. Der Grund für diese Aktion war die Abmahnwelle gegen Blogger wegen der Verletzung von Bildrechten, über die in letzter Zeit auf mehreren Blogs berichtet wurde. Ich selbst bin übrigens zufällig durch Veras Blog auf diese Information gestoßen. Auch wenn mir bewusst ist, dass ich damit spät dran bin, muss ich hierzu unbedingt noch meinen Senf loswerden.

Wer meinen Blog kennt, weiß, dass es sich bei dem größten Teil des von mir publizierten Bildmaterials um Eigenproduktionen handelt (Fotos sooooo schlechter Qualität würde wohl niemand klauen😉). Trotzdem hatte ich in der Vergangenheit gelegentlich Kollagen bei Polyvore erstellt und diese dazu verwendet, die neuesten Modetrends auch visuell vorzustellen. Wie es Polyvore ja auch ausdrücklich anbietet. Da ich beruflich mit dem Betrieb von Webseiten zu tun habe – wenn auch weniger mit juristischen Aspekten – hatte ich dabei schon gelegentlich die Befürchtung, dass allein der Verweis plus Verlinkung auf die Bildquellen zur rechtlichen Absicherung – wie es einige Bloggerinnen in der Vergangenheit steif und fest behaupteten – vermutlich nicht hundertprozentig ausreichend sein mag.

Andererseits gehe ich nach wie vor davon aus, dass es im Interesse der Händler ist, wenn ihre Produktbilder über möglichst viele Blogs verbreitet werden, da deren Waren dadurch vermehrt Aufmerksamkeit erhalten. Dass sie es also stillschweigend dulden, weil es für sie kostenlose Werbung darstellt. Zudem können Interessierte viele der Produkte via Polyvore (u.a.) direkt einkaufen. Also eine Win-Win-Situation für die Händler und die Blogger. Zugegeben auch ein kleines bisschen Wunschdenken meinerseits.

Aber das Problem sind weder Polyvore (oder ähnliche Plattformen), noch die Händler. Und noch nicht einmal die tatsächlichen Produzenten der Medien (Fotografen, Künstler etc.). Denn was ich nicht erwartet hätte, ist, dass sich eine weitere Partei einschalten würde: Wie es aussieht gibt es Agenturen, deren Geschäftsmodell darauf beruht, im großen Stil Bildrechte aufzukaufen, um anschließend das Web systematisch nach deren nicht legitimierter Verwendung zu durchsuchen. Mit dem alleinigen Ziel die entsprechenden Webseitenbetreiber (bzw. Blogger) abzumahnen, um damit das große Geld zu machen. Beinahe kommt es mir vor wie eine moderne Form von „Schutzgelderpressung“.

© fovito - Fotolia.com

© fovito – Fotolia.com

Abmahnen„, das Wort hört sich eigentlich relativ harmlos an, klingt es doch wie eine „Ermahnung“ oder deutliche Verwarnung. Wäre es nur das, wäre es kein großartiges Problem, der jeweilige Blogger würde das beanstandete Bild vom Blog nehmen und die Sache wäre erledigt. Aber natürlich kaufen solche Herrschaften die Bildrechte nicht einfach nur so zum Spaß auf. Es geht um Geld, unverschämt viel Geld. So wie es aussieht, ist es in Deutschland rechtens ohne Vorwarnung willkürlich ausgedachte Beträge in vierstelligem Bereich zu fordern – und zwar für ein einziges Bild. Und genau das ist in den letzten Wochen ein paar deutschen Bloggern passiert.

Seither verbreiten solche Nachrichten unter zahlreichen deutschen Bloggern Angst und Schrecken. Wobei mir nicht ganz klar ist, ob es sich bei der aktuellen „Abmahnwelle“ ausschließlich um die Werke eines einzelnen Künstlers dreht. Nachdem was ich gelesen habe, könnte dies durchaus der Fall sein. Und die Aufregung sowie das hektische Löschen aller nicht selbst produzierten Bilder (wie auch ich es getan habe – angeblich gingen sogar zahlreiche Blogs komplett offline!) war etwas überzogen. Es sei denn man verwendet tatsächlich Bilder eben dieses Künstlers (letzterer behauptet übrigens, die Bildrechte noch nicht einmal verkauft zu haben!), in dem Fall muss man sich wohl definitiv ernsthaft Sorgen machen. Andererseits kann es natürlich gut möglich sein, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist – und dies erst der Anfang ist.

Zudem befürchte ich, dass das Löschen von Bildern aus den Blogs das Problem möglicherweise überhaupt nicht löst. Wurde sämtlicher Content doch längst von Google „eingesaugt“ und was Google einmal intus hat, das rückt Google so schnell und einfach nicht mehr heraus. Wenn ein Abmahnanwalt also solche Bilder über die Google-Bildsuche findet, dann kann er möglicherweise dadurch beweisen, dass man in der Vergangenheit die Bilder verwendet hat – auch wenn diese mittlerweile (vom Blog selbst) gelöscht worden sind. Demzufolge kann man wohl einfach nur hoffen, nicht das Augenmerk solcher Personen auf sich zu ziehen.

Dass das Integrieren von Polyvore-Bildern von nun an keine Option mehr ist, bedauere ich sehr. Ich habe vor ein paar Wochen schon einmal versucht, legal die Erlaubnis der Presseabteilung eines Designers (Ralph Lauren) einzuholen, ein Bild seiner Kreation auf meinem Blog veröffentlichen zu dürfen. Auf meine Mail erhielt ich keinerlei Antwort, noch nicht einmal ein „Nein“. Mit den Autoren kleiner Hobbyblogs gibt man sich auf dieser Ebene wohl gar nicht erst ab, kostenlose Werbung hin oder her. Sehr bedauerlich. Ich fürchte also, es bleiben wirklich nur selbstgeschossene (oder gezeichnete) Bilder oder offiziell eingekaufte, z.B. über Fotolia – wobei es sich bei letzteren eher um zeitlose Symbolbilder handelt und nicht gerade um Fotos der neuesten Modetrends. Oder man versucht, in irgendwelche Presseverteiler reinzukommen, um dadurch legitimiert an Bildmaterial zu gelangen, was mir bisher jedoch noch nicht so wirklich gelungen ist. Wie auch immer:

Es wird Zeit, dass sich unsere Regierung dieses Themas ernsthaft annimmt – vielleicht werde ich bei der nächsten Wahl doch mal den Piraten mein Kreuzchen geben – damit in dieser Angelegenheit endlich etwas passiert. Ich persönlich bin zwar nicht für den „absoluten Freifahrtsschein“, was das Kopieren von Medien betrifft – denn Künstler, Autoren und Fotografen sollen nicht um ihren Verdienst gebracht werden. Und man möchte ja auch nicht seine eigene Nase auf einer „6“-Seite veröffentlicht wissen, oder zum Beispiel auf solchen, die extreme religiöse oder politische Anschauungen propagieren, ohne das Recht zu besitzen, sich dagegen wehren zu können. Aber eine Abmahnung sollte im ersten Schritt nur eine „Ermahnung“ sein. Geldstrafen sollten erst dann gefordert werden dürfen, wenn der Kopierer sich weigert, das entsprechende Bild von seinem Blog (oder seiner Website) zu entfernen.

Interessante Beiträge und Diskussionen zum Thema findet Ihr zum Beispiel auf dem Blog von Vera; daneben finde ich diesen Artikel von Crackjack (Nerdcore) sehr aufschlussreich und informativ.

9 Gedanken zu „Aufregung in der Bloggerszene

  1. Pingback: The Hunt | Meine Kleider

  2. Pingback: Maison Martin Margiela for H&M | Meine Kleider

  3. Pingback: Solitaire | Meine Kleider

  4. Freut mich, dass Du zugehört hast, und dass es Dir gefallen hat.
    Nein Franz – der mit dem Butterbrot, ist ein Freund von uns, der ebenfalls zugehört hat.
    Nebenbei läuft immer im Rolling Stone Forum ein Strang, in dem die Titel gepostet werden und wo die Zuhörer in real time diskutieren können.
    Ich glaube ich saß diesmal etwas nah vor dem Micro. Wir hören uns ja leider nicht, das heißt nur den Schluss der Moderation, weil wir dann wieder auf den Stream umschalten, un der ist um ein paar Sek. verzögert. Meinen Namen etc. hat Google jedenfalls nicht. Weder beim Mail, noch bei Google +, soweit kommts noch.
    Einen schönen Abend noch.
    LG

  5. Glaubst Du wirklich, jemand kann nachweisen, ob Du ein Foto selbst gemacht hast, oder Dir ein Bild aus einem Web-Shop gezogen,, auf Deiner Festplatte „verschönt“ und dann gepostet?
    Wie solltest Du „gefunden“ werden? Oder hast Du „persönliche“ Daten bei Blogger hinterlegt?
    Lasse es Dir gut gehen.
    Sunny

    • Hi Sunny,

      ich hab Dir zugehört – gerade eben. Dein Mann/Freund mag also Melissa Etheridge (was für’n komplizierter Name) nicht leiden😉 Es war nett Dir zuzuhören, danke für den Tipp. Ich mag ja etwas rockigere Musik u.a. ganz gerne, auch wenn ich darüber längst nicht so gut informiert bin wie Du. Eine angenehme Stimme hast Du auch! (und bist gut zu verstehen)

      Was das eindeutige Identifizieren von Bildern betrifft: In den Fällen, von denen berichtet wurde, handelte es sich um Fotos eines bekannten Künstlers. Außerdem hörte ich von einem Fall, bei dem es um ein Foto der Schauspielerin Lindsay Lohan ging.

      Wenn ich meine Polyvore-Kollagen als solche kennzeichne und zur Quelle verlinke (was zu den „Spielregeln“ dort gehört), habe ich damit dann nicht auch gleichzeitig zugegeben, dass die darin enthaltenen Bilder nicht (komplett) von mir selbst stammen? Aber ja, mir kam hinterher (nach dem Löschen) auch der Gedanke, ich hätte vielleicht überreagiert. Immerhin gehöre ich nicht zu den Leuten, die hingehen und hemmungslos Bilder von anderen Seiten kopieren, um sie anschließend auf meinen Blog zu klatschen (sowas gibts häufig, ich hab’s gesehen).

      Was meine persönlichen Daten betrifft – das ist auch so ein Thema. Nein, die habe ich bewusst nicht veröffentlicht. Aber eigentlich ist auch das nicht ganz legal und kann angeblich sogar „abgemahnt“ werden. Ich habe gerüchteweise läuten hören, dass auch nicht-gewerbetreibende Blogger dazu verpflichtet sein sollen, ihre kompletten echten Adressdaten auf ihren Blogs zu veröffentlichen, also inklusive echtem Namen, Anschrift und Telefonnummer! (die Meinungen im Web bzw. Interpretation dieses Gesetzes gehen allerdings etwas auseinander – der eine sagt so, der andere so). Allerdings weigere ich mich, meine Anschrift preiszugeben, weil ich Sorge habe, dass plötzlich irgendein Irrer IRL auf meiner Matte stehen könnte. Denn gerade im Internet tummeln sich soooo viele Bekloppte (Hater, Trolle, Stalker, 6-Spinner), man muss sich nur die Suchbegriffe anschauen, unter denen man zum Teil bei Google gefunden wurde. Und solchen Menschen möchte ich nicht plötzlich persönlich gegenüberstehen (müssen). Am Telefon will ich die auch nicht haben. Es reicht mir schon, wenn man ab und zu eine spinnerte Mail erhält – aber damit kann ich umgehen. Also – sollte die Impressumspflicht in dieser Form (d.h. mehr als die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme per E-Mail – und die ist bei mir gegeben) – tatsächlich verbindlich sein, so ist dies ebenfalls eine gesetzliche Regelung, die mir ganz gewaltig gegen den Strich geht. Noch etwas, das unbedingt geändert gehört.

      Lg, Annemarie

  6. Hallo Sabine, ich glaube nicht, ich habe jedenfalls noch nirgendwo (Text)-Links gelöscht. Und wie gesagt – die Händler (und erst recht andere Blogger, wie in diesem Fall) werden eher froh um die kostenlose Publicity sein. Zumindest solange man nicht negativ über sie ablästert. Und das tust Du ja nicht. Übrigens: der Ausdruck „Wegelagerer“ gefällt mir sehr gut, der trifft es sogar noch besser als „Schutzgelderpresser“. Lg, Annemarie

  7. hallo annemarie,
    ich hab schon gemerkt, dass bilder fehlen, schade. es wird wirklich zeit, dass sich was ändert und dieser virtuellen wegelagerei ein ende gesetzt wird.
    wenn große labels es nicht nötig haben auf „kleine“ bloggeranfragen zu antworten, frag doch mal bei kleinen labels. neulich hab ich bei antonietta (my vintage curves) wunderbare italienische mode gefunden – schau mal hier:
    http://myvintagecurves.it/2012/09/hunting-for-talents-clothes-designers.html
    ich kannte keines der labels (kein wunder!), finde aber vor allem pommes de claire fantastisch.
    lieben gruß von sabine

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