Ist das Kunst…

3 Kommentare

…oder kann das weg?

Huch! Macht die Modeoma jetzt etwa einen auf „High Fashion“? Nein, sie experimentiert nur, bzw. erlaubt sich einen Spaß. Denn heute soll es um experimentelle Designermode gehen – bzw. um Mode „an der Grenze zur Kunst“.

In einigen kulturellen Bereichen, vor allem in der Mode, aber zum Teil auch in der Musik, habe ich schon seit einigen Jahren den Eindruck, dass sich alles nur noch wiederholt. Spätestens seit den 1990er Jahren werden in schöner Rotation immer wieder die alten Trends des vergangenen Jahrhunderts aufgewärmt und neu interpretiert. Kaum oder selten kommt etwas wirklich Neues dazu.

Vermutlich sind die Möglichkeiten an Formen, Schnitten und Materialien bei Kleidung, die an einem menschlichen Körper getragen werden können und dabei als einigermaßen praktisch und angenehm empfunden zu werden nicht unendlich, sondern mehr oder weniger ausgeschöpft. So lautet zumindest meine Theorie.

Wenn also alles, was schön und ästhethisch ist – bzw. genaugenommen traditionell und kulturell als solches empfunden wird – in den vergangenen Jahrzehnten schon einmal „da“ war, was bleibt den Designern dann noch an offenen Optionen, wenn sie etwas Neues schaffen (und natürlich auch verkaufen) möchten?

Denn Modemeute (und interessierte Kundschaft) verlangen stets nach Neuem oder zumindest Anderem, Besonderem, dem Außergewöhnlichen, welches das Auge überrascht.

Möglicherweise ist man in dem Fall gezwungen, ästhetische oder/und traditionelle Grenzen bzw. etablierte Vorstellungen über den Haufen zu werfen, damit sich neue Möglichkeiten eröffnen. Dies beinhaltet gelegentlich auch gewisse Tabus zu brechen. Neben den stetigen Neuinterpretationen alter Ideen kann also eine Lösung für das Dilemma sein, das, was traditionell als hässlich gilt oder bisher mit einem Negativimage behaftet war, zum neuem Trend auszurufen. Das erste Mal kam man – glaube ich – in den 1990er Jahren auf diese Idee – der sogenannte „Heroin-Chic“ war geboren (in den Jahren zuvor gab es zwar auch manchmal unschöne Kleidung, die war es dann aber eher unabsichtlich).

Seither scheint es bei der Produktion so mancher Lookbooks und auch auf so einigen Laufstegen dieser Welt vor allem darum zu gehen, mit Hässlichkeit zu provozieren oder sie als den neuen Stil zu etablieren. Desto schriller und abgedrehter, desto besser. Die gute Lady Gaga lebt ja auch nicht unbedingt schlecht davon.

2012 (gerade wiederholen sich die Trends der 90er Jahre, das ist sicherlich kein Zufall) stößt man beim Anblick einiger Lookbooks zum Beispiel auf Models mit schlaff herab hängenden Armen, die eine ziemlich schlechte Haltung präsentieren (die unsere Mütter entsetzen würde!). Dabei hängt deren Haar fettig – oder nass, was weiss ich – in deren Gesichter, welche kraftlos auf den Boden zu stieren scheinen. Mich erinnert ein solcher Anblick stets etwas an solche japanischen Geistermädels wie man sie u.a. aus dem Film „The Ring“ kennt, deshalb habe ich das spaßeshalber mal nachgestellt – Halloween ist ja auch nicht mehr sooo fern 😉. Die alten IT-Wälzer müssen übrigens für die Fotos als Plateau-Ersatz herhalten, weil ich Schuhe mit solchen Absätzen nicht besitze.

Off Topic: Letzte Woche Ton-in-Ton in Königsblau

Off Topic: Ton-in-Ton in Königsblau
Bluse: H&M, Hose: American Apparel, Schal: Kaufhof

Unsereins – also zumindest diejenigen, die weder Design, noch Kunst studiert haben und deshalb die (möglicherweise existierende) tiefsinnige Philosophie dahinter nicht so recht verstehen (inklusive meiner eigenen Person) – empfinden solche provozierend schrägen, künstlerischen Arrangements meistens als merkwürdig und exzentrisch. Nichtsdestotrotz ist es schon vorgekommen – und das noch nicht einmal selten – dass neue Trends, über die auf den ersten Blick zunächst gelacht oder kollektiv die Nasen gerümpft wurden, sich nach geraumer Zeit tatsächlich doch noch durchsetzten und sogar von der Masse akzeptiert wurden. Und manchmal ändert sich dadurch sogar unsere Meinung darüber, was wir als schön und begehrenswert empfinden nachhaltig und erfährt dadurch so etwas wie eine kleine „Neujustierung“. Es kommt eben vor allem darauf an, wie etwas verkauft wird (siehe des Kaisers neue Kleider).

Und vielleicht ist das die wahre „Kunst“: Das Geschick, Ideen so gut zu verkaufen, dass sie plötzlich jeder besitzen will. Und zwar auch an diejenigen, die genau dies vor ein paar Monaten vielleicht noch für undenkbar hielten.

Aber selbst wenn das nicht passieren sollte – so bleibt letztendlich für den außenstehenden Beobachter doch immerhin eines: der große Unterhaltungswert.

Ein paar schön-schräge Beispiele (ärgerlicherweise kann ich die erwähnten Lookbooks mit den „Ring-Girls“ partout nicht mehr wiederfinden…):

Als musikalischen Klassiker empfehle ich heute eine Grand Dame des exzentrischen Stils:
… Ladies and Gentlemen: Miss Grace Jones! …

3 Gedanken zu „Ist das Kunst…

  1. Pingback: Into the Groove | Meine Kleider

  2. hmmm… also prinzipiell finde ich hast Du recht, dass was man heute so sieht ist zum großen Teil nicht mehr tragbar – jedenfalls nicht zwingend in Kombination. Für mich trenne ich die Shows und die Modestrecken in den Magazinen aber auch vom alltäglichen Modeleben. Die Shows sind für mich in der Tat eine Kunstform – und nur einzelne Teile machen dabei für mich im Anschluss einen Trend aus der im besten Falle dann auch tragbar ist – ganz gutes Beispiel ist Dein Link zu bizarren Mitternachtsshow auf der B&B – die Hose oder die Jacke des Models sind schon tragbar – allerdings nicht im Gesamtbild sondern eher einzeln und dezent kombiniert.

    Deine Ringbilder finde ich übrigens richtig cool und sie sehen fast aus wie aus einem der modernen Magazine entnommen :)!!!

    LG aus der EDELFABRIK
    Chrissie

  3. mode muss spass machen, ich lach mir nen ast!
    ich könnte mir vorstellen, dass wenn die energiekosten steigen, der look mit dem sammelholz seine nachahmer findet und wenn das geld richtig knapp wird der plastiktütendress mit schrubbermütze auf unseren straßen keine seltenheit ist. lg sabine

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