Trend und Gegentrend

7 Kommentare

Purismus versus Glitzer

BILD ENTFERNT
Kürzlich erwähnte ich die Moderegel, dass auf jeden Trend irgendwann über kurz oder lang der Gegentrend erfolgt. So wie heutzutage die Schlagzahl erhöht ist, in der die Trends aus dem Boden schießen, überrascht es fast nicht, dass mittlerweile schon fast zeitgleich beinahe gegensätzliche Trends miteinander konkurrieren. Zumindest wenn man sich die Bilder und Berichte in Modezeitschriften und auf Blogs so anschaut. Wir streichen also „oder lang„.

Da gibt es zum einen die deutliche Tendenz zum Purismus: Schlichte, gerade Schnitte, gerne Oversize, androgyn, Understatement ohne irgendwelche „Spielereien“. Wobei es mir fast so vorkommt, als wollen sich nun alle anderen ebenfalls in die Nische des H&M-Ablegers COS hinein drängen, der diesem Stil schon seit Jahren konsequent die Treue hält. Die Lookbooks der Konkurrenz für die Saison Herbst/Winter 2012 schauen mehr oder weniger so aus, als stammen sie von COS (oder hätten deren Designern zumindest über die Schulter gespickt).

goldenes Jäckchen von Promod

goldenes Jäckchen von Promod (nur anprobiert), Schlangenarmband von SIX

Andererseits sollte es in den kommenden Wochen und Monaten vermutlich allerorts glitzern und glänzen. 2012 warten wir nicht bis zur Adventszeit, um die Glitzerdeko auszupacken. Stattdessen tragen wir sie am Leib. Überall in den Geschäften hängen sie bereits, opulent wirkende Kleidungsstücke aus Lurex, durchwirkt mit Glanzfäden in Gold oder Silber oder besetzt mit üppigen Strasssteinen oder/und Tausenden von glitzernden Pailletten. Da wird nicht gekleckert, da wird geklotzt. Und zwar nicht nur abends, sondern auch tagsüber.

Als dritter, auch nicht gerade unauffälliger Trend für den kommenden Herbst fällt der Mustertrend ins Auge. Es scheint, als sei die musterreiche Marni-Kollektion bei H&M nur der Startschuss zu waghalsigen Mustern im 70er Jahre-Stil gewesen. So etwas wie ein Wegbereiter, der uns künftigen Kundinnen die Berührungsängste nimmt. Zum Mustertrend gehört daneben auch das neue „Maschendrahtmuster“, interessant arrangierte Karokombis, Barock- und im weitesten Sinne wohl auch Folkloremuster. Getragen werden die plakativen Muster „Allover“, nicht nur als Akzent. Also, wer traut sich an den wilden Mix?

Für welchen Trend ich mich entscheiden werde? Den Purismus pflege ich ohnehin immer mal wieder (zumindest phasenweise), aber auch der Glitzertrend könnte Spaß machen. Vorausgesetzt, dass er gekonnt kombiniert ist, denn erfahrungsgemäß kann so etwas schnell billig oder kitschiger wirken als gewollt. Man denke nur an Jeans mit neckischer, aufgestickter Glitzerdeko, die vor ein paar Jahren hauptsächlich an den Damen mit den frechen Friesen gesichtet wurden (natürlich nur mein subjektiver Eindruck).

Korsage mit Schmucksteinen

Korsage mit Schmucksteinen

In meinem Besitz befindet sich zum Beispiel noch eine Korsage aus den 90ern. Besetzt ist das gute Stück ausgerechnet mit der Art von üppigen Glassteinen, die demnächst angesagt sein sollen. Ich würde sie gern mal wieder anziehen. Nur – wie kombiniert man solch eine Korsage „tageslichttauglich“? Im Herbst/Winter wohlgemerkt. Denn es ist ja nun nicht so, dass ich in meinem Alter noch ständig in irgendwelchen Discotheken abhänge. Irgendwelche Vorschläge?

Mit dem Mustertrend ist das so eine Sache. Zwar gefallen mir zum Beispiel die Hosen in den 70er Gewürzfarben mit den „Tapetenmustern“ sehr gut, allerdings könnten diese auftragen und das wird meiner A-Figur nicht gerade schmeicheln. Bunt gemusterte Schuhe (hier und dort bereits gesichtet) kämen mir schon gar nicht in den Sinn. Wären mir diese doch viel zu eingeschränkt in ihren Kombinationsmöglichkeiten. Aber frau muss ja nun auch nicht zwingend jeden Trend mitmachen.

Einige Beispiele für Trends im Herbst/Winter 2012/2013

7 Gedanken zu „Trend und Gegentrend

  1. Ich finde deinen Blog einfach erstklassig. Du hast wirklich ein Talent dafür deine Sicht der Dinge zu schreiben und dieser Beitrag hier ist einfach nur genial geschrieben!

  2. Hallo Annemarie – ich mag Trends 🙂 und ich mag es auch mich darüber hinwegzusetzen – ich nehme also die neuen als Inspiration und mache damit worauf ich Lust habe 😉 deswegen horte ich auch immer so viel und schmeiße selten Dinge weg ;), aber das kennst Du ja.

    Für Deine Korsage würde ich eine Variante vorschlagen, in der Du einen sehr engen, schwarzen Rollkragenpullover darunter trägst – vielleicht funktioniert das 🙂

    Noch mal kurz zu Deiner Postgeschichte – Servicewüste sage ich da nur mal wieder – ich kann bei so was immer nur den Kopf schütteln – ich neige nicht dazu mich allzu schnell zu erzürnen, aber hier wäre mir der Kragen glaube geplatzt!

    Und wo wir schon bei Kragen sind – der im „Glitzerblid“ ist sehr hübsch 🙂

    Ich wünsche Dir ein schönes WE und sende Dir
    Liebe Grüße aus der EDELFABRIK
    Chrissie

    • Hi Chrissie,

      ich schau mal, ob das mit einem Rolli geht. Auf jeden Fall muss da irgendwas drunter, andernfalls ist mir das tagsüber zu nackig.

      Aufregen bei der Post nützt nicht wirklich etwas, dadurch geht es nicht schneller. Sich zu beschweren ist bei dem Verein sowieso ein Ding der Unmöglichkeit, da es bedauerlicheweise niemanden gibt, der dafür zuständig ist.

      Zuallererst erhält man vom Schalterbeamten den Hinweis, dass dieser ja eigentlich bei der „Postbank“ angestellt ist und weder mit DHL (Päckchen), noch den Briefsendungen irgendetwas zu tun hat, außer diese gnädig herauszurücken, obwohl dies ja – eigentlich(!!!) – nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fällt. Wenn man weiterquengelt, drückt er einem ein Kärtchen mit einer Telefonnr. in die Hand. Eine sogenannte „Service-„Telefonnumer. Wo man dann anrufen kann und eine weitere Telefonnummer erhält, weil der Herr am Telefon leider auch nicht zuständig ist. Der nächste Ansprechpartner ist es leider auch nicht, aber er gibt einem eine weitere Telefonnummer. Und so gehts dann immer weiter, von Telefonnr. zu Telefonnr. bis man – Überraschung – wieder bei der ersten Telefonnr. angelangt ist (kein Witz, sondern wirklich so passiert). Tja, schade, stellt man fest, leider ist für Beschwerden keiner zuständig – andererseits: ist schon irgendwie raffiniert gemacht oder? So kann man nervige Kunden prima Mürbe machen und im Endeffekt ruhig stellen. Übrigens bei meiner – versuchten – Beschwerde ging es nicht um die Warteschlangen, sondern um diese Paketstationen, aber ich habe dadurch zumindest die Sinnlosigkeit eines solchen Unterfangens eingesehen.

      Ich wünsche Dir auch ein schönes WE!

      Lg, Annemarie

      P.S.: Über das Kontaktformular auf deren Internetseite hab ich’s natürlich auch versucht. Leider erhielt ich auf keine meiner Mails eine Antwort. Wobei das jetzt auch nicht wirklich überrascht.

  3. Hi Sunny,

    das ist ja witzig, dass Du auch so eine Korsage besitzt 🙂 Vielleicht war so eine schwarze Korsage in den 90ern ja etwas, das frau unbedingt haben musste? Ehrlich gesagt, ich erinnere mich gar nicht mehr so genau, nur dass ich meine bei einem Ausflug nach Köln gekauft habe. Weil es trendige Mode in dem Kaff, in dem ich lebte, nicht gab und Internetshopping noch in der Zukunft lag, gönnte ich mir alle paar Monate einen Ausflug nach Köln. Davon abgesehen bestellte ich damals „In meiner Not“ auch noch recht viel im Katalog.

    Ich glaube, ich verstehe, was Du meinst bzgl. der „vorhergesagten“ Modetrends. Nur weil es auf Schauen gezeigt wird und einige Modezeitschriften ihre Prognosen abgeben, heißt das noch lange nicht, dass sich die Trends auch wirklich (genauso) durchsetzen oder überhaupt. Das kann sein, muss aber nicht. Das sehen wir erst in ein paar Monaten.

    Lg, Annemarie

    • Argh! Da wäre ich ein HB Männchen geworden ich bin mir sicher 🙂 Das ist schon wieder so strange, dass es – wäre es nicht so traurig – eigentlich richtig lustig ist, weil man so schön am Zustand solcher Institutionen zweifeln kann!! 🙂

      Hab einen guten Start in die Woche 🙂
      LG aus der EDELFABRIK Chrissie

  4. Interessant ist immer, was kommen „soll“ und in Zeitschriften gezeigt wird (Modenschauen). Dann gibt es sicher Hersteller, die das so umsetzen (da wüsste ich meist nicht, wo tragen). Oder es gibt welche, die plötzlich dann völlig anderes im Programm haben. Ich kann mir durchaus das eine oder andere glitzernde, schimmernde Teil an mir vorstellen. Aber halt für abends (und da bin ich auch nicht so oft unterwegs). Solche „all over“ Geschichten sind zwar sicher trendig aber mir genügt dann meist nur eine Prise.
    Für die meisten ist doch eh das mode, was im Katalog gezeigt wird oder Laden hängt. Das sie damit wohl hinterherhinken ist den meisten Ottilie Normalverbrauerinnen wohl gar nicht bewußt. Das ist ja auch nicht schlimm.
    Ich habe ebenfalls eine schwarze Korsage, vorn mit Reißverschluss zu schließen, hinten gesmockt und mit schwarzer Spitze und kleinen schwarzen Perlchen überzögen. In den frühen 90ern gekauft und keine 10 mal getragen. Warum? Keine Ahnung. Mal sehen, vielleicht krusch ich sie mal wieder raus.
    Lass es Dir gut gehen
    Sunny

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