Des Kaisers neue Kleider

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© fotomek - Fotolia.com

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Heute kam in einer Diskussionsgruppe bei Xing unter anderem das Thema „Isabel Marant Sneakers“ zur Sprache, wobei mir – möglicherweise weil ich kürzlich die TV-Serie „Grimm“ für mich entdeckt habe und deshalb wohl gerade auf dem „Märchen-Trip“ bin – spontan das besagte Märchen von Hans Christian Andersen in den Sinn kam.

Bei manchen Trends, die die Massen begeistern, frage ich mich nämlich, ob den Leuten das beworbene Produkt wohl wirklich gefällt. Oder ob sie nur deshalb danach verlangen, weil es so massiv gehypt wird. So nach dem Motto: „Wenn ich nur oft genug höre oder lese, dass etwas schön ist, dann glaube ich es irgendwann selbst.„. Diese Turnschuhe mit integriertem Keilabsatz sind z. B. so ein Produkt, bei dem ich meine Zweifel habe. Ihre Form erinnert an solche „orthopädischen“ Schuhe, wie sie vor Jahren von eher kleingewachsenen Herren heimlich getragen wurden, die sich damit ein wenig größer schummeln wollten*. Optisch geht das schon sehr in Richtung „Klumpfuß“ und es passt auch nichts so recht dazu. Nichtsdestotrotz sind sie der absolute Renner und jede(r) muss sie haben.

Vermutlich können die Medien und die „angesagten Leute“ durch stetige Wiederholung theoretisch alles erfolgreich propagieren. Egal was es sein mag – die Masse wird sich – wie der Kaiser im Märchen – kritiklos darum reißen. Vielleicht auch in der (unbewussten) Hoffnung, dass auf diese Art und Weise etwas von der Coolness der angesagten Leute auf sie abfärben möge. Was nur selten funktioniert – denn Mitläufer oder gar Nachläufer sind nicht unbedingt cool. Herrje, es gibt schon Kopien dieser Sneakers von Deichmann! – Sei’s drum: Versteht mich nicht falsch, ich finde Trends spannend und bin die Letzte, der Abwechslung in der Mode misfallen würde. Auch ich folge so manchem Trend. Aber eben nur solchen, die mir wirklich gefallen und die (hoffentlich) zu mir passen. Und diese Treter – und mögen sie noch sowas von hipp sein – die gehören definitiv nicht dazu.

* = Heutzutage heißen diese Teile übrigens „Elevator Shoes“ und sehen (zumindest auf Fotos) erstaunlich unauffällig aus. Und zwar so unauffällig – ganz ehrlich – wäre ich ein Mann von der Statur eines Tom Cruise (o.ä.), dann würde ich mir davon auch ein Paar bestellen 🙂

8 Gedanken zu „Des Kaisers neue Kleider

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  3. Dasselbe Frage ich manchmal auch bei Büchern…wirklich gelesen oder nur gekauft und dann ins Regal gestellt. Wobei das absolut heutzutage ja schon lobenswert ist, kaufen und nicht irgendwo kostenlos heruntergeladen, was andere erarbeitet haben:)))

    • Hallo Sabina!

      zum Thema „Bücher“ fällt mir ein, ich kannte mal einen jungen Mann (ist schon länger her), der kaufte seine Bücher nicht nach dem Inhalt – und noch nicht mal nach dem, was die Masse so las – sondern ausschließlich nach der Optik! D.h. er besaß zig Bücher, die alle farblich und von der Größe zusammenpassten und so standen sie dann in seinem Regal: in Reih und Glied. Ich bin ja eigentlich auch ein sehr visueller Mensch, aber nicht, wenn es um Bücher geht. Spätestens als er mir seine Motiviation (zum Buchkauf) darlegte (auf Nachfrage, welches Buch er empfehlen könne) war ich mir sicher, dass wir nicht allzu viel gemeinsam haben 😉

      Lg, Annemarie

  4. Interessant Deine Meinung dazu zu lesen…ich habe diese Schuhe und bin bis nach Paris gefahren um sie mir zu holen. Ich bin bekennende Absatzträgerin und habe bereits bevor ich überhaupt von den Sneaker gehört habe bereits andere mit Keilabsatz gehabt, Isabel Marant war weiß Gott nicht die Entdeckerin, eher Hogan, die haben das schon seit Jahren im Programm. Ich finde diese Schuhe sehr gut und trage sie ständig. Ich trage auch gerne Haremsjeans, die werden auch entweder geliebt oder gehaßt. Mich stört es total daß die IM Snealer so gehyped werden, ständig in allen Zeitungen abgebildet werden, ich muß sagen das verdirbt einem den Spaß daran. Die Coolness der angesagten Leute muß auch nicht auf mich abfärben, haha, was? Würdest Du wirklich sowas denken wenn Du mich auf der Straßen mit den Schuhen siehst?
    Diese Schuhe sind sehr bequem und perfekt (für mich). Welche ich überhaupt nicht mag sind Ballerinas, die meisten gehen darin wie ein Bauer. Flip Flops sind auch nicht wirklich schön und wir haben sie alle im Schrank. Ich muß mich nun auch outen, kennst Du noch diese Buffalos mit der dicken Sohle die es in den 90ér Jahren gab. Die hatte ich auch 😉 ich liebe solche Schuhe und das hat bei mir nichts mit einem Trend hinterher jagen zu tun. Das mußte ich klarstellen, haha, meine geliebten Schuhe werden ja sowas von von Dir verrissen 😉 das konnte ich nicht kommentarlos hinnehmen.

    • Hallo Dorota, möglicherweise gehörst Du ja selbst zu den „angesagten Leuten“, den Early Adapters? immerhin besteht auch diese Möglichkeit, wenn Du diese Schuhe schon lange vor dem aktuellen Hype getragen hast. Momentan sind sie allerdings ein Massentrend (wie gesagt, es gibt sogar schon Kopien bei Deichmann, sagt das nicht alles?) – Dein Vergleich mit den Buffalos passte schon sehr gut. Im Gegensatz zu Dir scheinen nämlich einige der ehemaligen Buffalo-Trägerinnen sich heutzutage im nachhinein für ihre (Zitat) „damalige Modeverirrung“ zu schämen – das liest man zumindest immer wieder. Das kommt m.E. davon wenn man blind jedem Trend und Modediktat hinterherrennt, ohne den eigenen Geschmack einzubeziehen. Flipflops kann ich übrigens auch nicht leiden, das liegt allerdings daran, dass ich in ihnen keinen Halt finde, ich platsche darin bei jedem Schritt wie ein Frosch. Und – wie es Dir gerade mit den Absatzsneakern ergeht, erging es mir mit Budapestern. Die trug ich schon einige Jahre, bis sie auf einmal vor 1-2 Jahren modern wurden und plötzlich jede(r) damit rumrannte. Und schon wirkt frau wie eine Mitläuferin. Tja, so kann’s gehen. Lg, die Modeoma

    • P.S.: Was mir gerade noch eingefallen ist. Meine Armyjacke von Zara: Als ich sie vor ein paar Wochen kaufte, dachte ich noch, sie sei ziemlich cool. Getragen habe ich sie allerdings selten, das Wetter war nicht danach. Mittlerweile läuft jede zweite hier in der Stadt damit rum, größtenteils sogar mit exakt demselben Modell. Wir Zara-Armyjackenträgerinnen könnten mit unserem Einheitslook lässig eine ganze Kompanie bestücken – nur mit Mädels und Frauen aus meiner direkten Umgebung (sogar in der Firma!). Ohje, ich fühle mich gerade sowas von „mitläufermäßig“ ;-( Ganz ehrlich, das verdirbt mir gerade den Spaß an der Jacke.

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